Die Immuntherapie gilt als Meilenstein in der modernen Krebsbehandlung. Während mikrosatellitenstabile (MSS) Formen von Darmkrebs bisher als weitgehend resistent gegenüber Immun-Checkpoint-Inhibitoren galten, zeigt eine aktuelle Studie des Comprehensive Cancer Center (CCC) der MedUni Wien und des AKH Wien, dass eine Kombination aus Ipilimumab und Nivolumab mit Chemoradiotherapie bei lokal fortgeschrittenem Rektumkarzinom chirurgisch sicher eingesetzt werden kann – ohne erhöhte Komplikationsraten. Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachjournal JAMA Network Open veröffentlicht.
„Unsere wichtigste Erkenntnis war, dass die Integration der dualen Immuntherapie vor der Operation nicht zu einer Zunahme chirurgischer Komplikationen geführt hat“, erklären die Studienleiter Johannes Längle und Michael Bergmann von der Universitätsklinik für Allgemeinchirurgie der MedUni Wien. Die Rate chirurgischer Komplikationen war in beiden Gruppen vergleichbar, ebenso die Häufigkeit von Reoperationen (8% vs. 7%).
Gute Ansprechraten und Sicherheit bestätigt
Insgesamt wurden 80 Patient:innen in die randomisierte Phase-2-Studie eingeschlossen, davon 50 mit zusätzlicher Immuntherapie. Bei 37% der operierten Patient:innen dieser Gruppe wurde eine sogenannte major pathologische Response (MPR) erreicht, also ein starkes Tumoransprechen. Bei 22% wurde eine vollständige Remission (klinisch oder pathologisch) beobachtet. Schwere immunvermittelte Nebenwirkungen (SAEs) traten nur bei 6% der Patient:innen auf, vergleichbar zur Kontrollgruppe mit alleiniger Chemoradiotherapie (7%), aber deutlich seltener als bei intensiveren total neoadjuvanten Therapieprotokollen (TNT), in denen schwere Nebenwirkungen in 27 % bis 38 % der Fälle berichtet wurden (i.e. PRODIGE 23, RAPIDO). Die duale Immuntherapie zeigte damit ein günstiges Sicherheitsprofil bei gleichzeitig guter Verträglichkeit und ohne negative Auswirkungen auf die chirurgische Durchführbarkeit.
Perspektive für maßgeschneiderte Therapien
„Diese Ergebnisse liefern eine solide Grundlage, um den Einsatz dualer Immun-Checkpoint-Inhibition in Kombination mit Chemoradiotherapie weiter zu erforschen“, betont das Studienteam vom CCC der MedUni Wien. Besonders relevant sei, dass sich erste Anzeichen klinischer Aktivität zeigten, trotz des mikrosatellitenstabilen (MSS) Tumortyps, der bislang als immuntherapieresistent galt. Größere, prospektive Studien mit längerer Nachbeobachtung könnten klären, ob diese Kombination langfristig onkologische Vorteile bringt und welche Patient:innen besonders profitieren.
Nächste Schritte: Biomarker und Langzeitverläufe
Die Forschenden planen nun weiterführende Studien, um geeignete Biomarker für ein Ansprechen zu identifizieren und die Langzeiteffekte auf Überleben und Lebensqualität zu untersuchen. Ziel ist es, jene Patient:innen frühzeitig zu erkennen, die besonders von dieser Therapieform im neoadjuvanten Setting profitieren könnten.
Publikation: JAMA Network Open
Laengle J, Kuehrer I, Kulu A, Kabiljo J, Ammon D, Zirnbauer R, Stift A, Herbst F, Dauser D, Monschein M, Razek P, Haegele S, Biebl M, Geinitz H, Petzer AL, Hulla W, Müllauer L, Pils D, Widder J, Bittermann C, Tamandl D, Laengle F, Schmid R, Bergmann M.
JAMA Netw Open. 2025;8(8):e2527769. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2025.27769