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Zwei neue Studien liefern tiefgreifende Einblicke in Biologie und Entwicklung kindlicher Hirntumoren

Zwei aktuelle Publikationen aus der Pädiatrischen Neuro-Onkologie die in enger Zusammenarbeit mit dem Comprehensive Cancer Center Vienna von MedUni Wien und AKH Wien entstanden sind, erweitern das Verständnis zentraler Mechanismen in der Entstehung und Organisation seltener, aggressiver Hirntumoren im Kindes- und Jugendalter. Im Fokus stehen dabei grundlegende Entwicklungsprozesse – mit potenziellen Konsequenzen für zukünftige Therapieansätze.

Die erste Studie unter Ko-Erstautorschaft der Meduni Wien untersucht das Pineoblastom, einen seltenen Tumor der Zirbeldrüse. Forscher:innen haben die Entstehung des Pineoblastom untersucht und dabei eine gemeinsame molekulare Abhängigkeit entdeckt, die auch bei anderen Hirntumorarten wie dem Medulloblastom und dem Retinoblastom vorkommt. Dabei wurde ein hochauflösender Einzelzell-Atlas der normalen Zirbeldrüsenentwicklung erstellt und Tumorproben von 38 Patient:innen analysiert. Es zeigte sich, dass Pineoblastome aus frühen Vorläuferzellen entstehen und stark von lichtsensitiven Genen abhängen. Diese Gene erwiesen sich in mehreren Tumorarten als überlebenswichtig, was sie zu einem möglichen gemeinsamen Angriffspunkt für künftige Therapien macht. Diese Studie wurde aktuell im Fachmagazin Cancer Cell veröffentlicht und mit ‚Preview‘ angekündigt sowie zusätzlich als ‚Research Highlight‘ im Fachmagazin Nature Reviews Cancer hervorgehoben.

Die zweite Arbeit unter Ko-Autorschaft der Meduni Wien im Fachmagazin Nature widmet sich supratentoriellen Ependymomen, einer ebenfalls hochaggressiven Tumorgruppe bei Kindern und Jugendlichen und zeigt, dass diese aus unterschiedlichen entwicklungsähnlichen Zellzuständen bestehen. Je nach molekularer Untergruppe unterscheiden sie sich deutlich in ihrer Zusammensetzung, Reifung und räumlichen Organisation. Die Forschenden fanden mithilfe von Einzelzell- und räumlicher Transkriptomik sowie Live-Zell-Bildgebung zwei zentrale vorläuferartige Zellzustände, die an die frühe Entwicklung des menschlichen Gehirns erinnern. Die eine ist besonders wanderungsfähig. Die andere zeigt eine besonders starke und unkontrollierte Zellteilung. Gleichzeitig können Einflüsse aus der Hirnumgebung die Tumorzellen zusätzlich in neuronen-ähnliche Zustände verschieben. Insgesamt liefert die Arbeit ein umfassendes Bild der Tumor-Heterogenität und zeigt, wie Entwicklungsprogramme, Mikroumgebung und Zellverhalten gemeinsam zur Aggressivität dieser Hirntumoren beitragen. 

Mitautoren Bernhard Englinger und Johannes Gojo vom CCC Vienna fassen zusammen: „Die beiden Arbeiten zeigen, dass kindliche Hirntumoren in vielen Fällen fehlgeleitete Entwicklungsprozesse darstellen. Ein tieferes Verständnis dieser Prozesse eröffnet neue Wege, um gemeinsame Schwachstellen unterschiedlicher Tumorarten zu identifizieren und therapeutisch zu nutzen.“

Publikation: Cancer Cell 
A tumor-associated photoreceptor signature unifies distinct central nervous system malignancies
Autoren: Gudenas BL*, Ahmad ST*, Englinger B*, Liu APY*, Zhao M*, Paul L, Hadley J, Li Y, Batts M, Mittal P, Wu SC, Lewis SA, Han K, Soliman T, Lin H, Janke L, Meredith D, Pfaff E, Gojo J, Cotter J, Klimo P Jr, Boop FA, Gajjar A, Robinson GW, Rosén G, Alexandrescu S, Jones DTW, Orr BA, Swartling FJ, Filbin MG, Northcott PA. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S153561082600108X 
DOI https://doi.org/10.1016/j.ccell.2026.02.010

Publikation: Nature 

Multidimensional profiling of heterogeneity in supratentorial ependymomas.

Authors: Jeong D, Danielli SG, Maaß KK, Ghasemi DR, Tetzlaff SK, Reyhan E, Jiang L, Katiyar S, Sundheimer JK, Lo Cascio C, Neyazi S, de Biagi-Junior CAO, Couvillon E, Castellani S, Pazyra-Murphy M, Mullally M, Dehler MP, Englinger B, Nascimento A, Cruzeiro GAV, Marques JG, Haase RD, Nguyen CM, Baumgartner AC, Rozowsky JS, Hack OA, Shaw ML, Lotsch-Gojo D, Bruckner K, Korshunov A, Pfister SM, Kool M, Nowakowski TJ, Gojo J, Baird L, Alexandrescu S, Pajtler KW, Venkataramani V, Filbin MG.https://www.nature.com/articles/s41586-026-10214-2
DOI https://doi.org/10.1038/s41586-026-10214-2